Klinische Untersuchung

Lebergröße und -beschaffenheit

Bei der körperlichen (bzw. klinischen) Untersuchung des Patienten versucht der Arzt, die Größe und Beschaffenheit der Leber durch Ertasten zu ermitteln. Auch der Klopfschall über dem Oberbauch kann Hinweise auf die Lebergröße geben. Im Normalfall ist die Leber unter dem rechten Rippenbogen tastbar, ihr Rand ist dünn und weich. Gut zu tasten ist die Leber aber eigentlich nur bei schlanken Menschen sowie bei deutlicher Vergrößerung oder Verhärtung. Dann kann ihr Rand dickwulstig und höckerig sein.

Leberhautzeichen

Bei der klinischen Untersuchung sieht der Arzt die verschiedenen Hautsymptome, die auf eine Leberschädigung hinweisen. In der folgenden Übersicht sind neben den „Leberhautzeichen“ im engeren Sinne auch die übrigen Befunde genannt, die bei Lebererkrankungen an der Körperoberfläche sichtbar sind.

Übersicht:
Leberhautzeichen und an der Körperoberfläche sichtbare Befunde bei Lebererkrankungen

  • Gelbfärbung der Haut und der Bindehaut der Augen („Ikterus“)
  • Kratzeffekte an der Haut wegen des allgemeinen Juckreizes
  • „Lebersternchen“ („Spider naevi“): sternförmige Erweiterungen von Blutgefäßen an der Haut
  • diffuse oder fleckige Rötung der Handinnenfläche („Palmarerythem“)
  • Gewebeverhärtung an den Fingern („Dupuytren’sche Kontraktur“)
  • hellrosa bis silberweiße Verfärbung der Finger- und Fußnägel („Weißnägel“)
  • rötlich-violette, glatte, trockene Zunge („Lackzunge“, „Himbeerzunge“) und lackrote, glatte Lippen („Lacklippen“)
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) an der Haut, vor allem der Beine, Vorwölbung des Bauches (meist infolge von Wassereinlagerung im Bauchraum bzw. „Aszites“)
  • verstärkte Venenzeichnung auf dem Bauch
  • Rückgang der Brust- und Bauchbehaarung bei Männern („Bauchglatze“) bzw. Verlust der Achsel- und Schambehaarung bei Frauen
  • Vergrößerung der Brustdrüse bei Männern („Gynäkomastie“)
  • Blutergüsse

Viele dieser Anzeichen treten auch ohne eine Lebererkrankung auf und sind oft harmlos, trotzdem sollten Sie im Zweifel Ihren Arzt kontaktieren.

Lebersternchen
(eigenes Archiv)

Die Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute sowie der allgemeine Juckreiz wurden bereits im Abschnitt „Symptome einer Leberschädigung“ näher erläutert.

„Lebersternchen“ bzw. „Spider naevi“ [spaider nävi] bestehen aus erweiterten Hautgefäßen. Die Sternchen, die vor allem an Kopf, Hals, Brust und Armen zu sehen sind, kommen nicht nur bei Lebererkrankungen, sondern in einem gewissen Ausmaß auch bei Gesunden vor, besonders während der Schwangerschaft. Sie enthalten im Zentrum eine kleine Arterie und drum herum mehrere kleine Venen. Sie entstehen wahrscheinlich durch gefäßerweiternde Substanzen, die bei einer Leberschädigung vermehrt gebildet werden.

Eine diffuse oder fleckige Rötung der Handinnenfläche („Palmarerythem“) ist bei Lebererkrankungen oft zu sehen. Innerhalb der Rötung, die sich vor allem auf die Daumen- und Kleinfingerballen sowie die Endglieder der Finger konzentriert, können Lebersternchen liegen. Beide Leberhautzeichen können nach Besserung einer Lebererkrankung wieder verschwinden.

Strangförmige Gewebeverhärtungen an den Fingern, welche die Fingerbeugung erschweren („Dupuytren’sche Kontraktur“), kommen bei Leberschäden, aber auch bei Zuckerkranken und Gesunden vor.

Eine hellrosa bis silberweiße Verfärbung der Finger- und Fußnägel („Weißnägel“) kann ebenfalls auf eine Leberschädigung hinweisen. Die Nägel können dabei betont gewölbt sein und Rillen tragen. Diese Veränderung beruht auf einer Störung im Stoffwechsel der Nagelsubstanz Keratin. Die erkrankte Leber schafft es nicht mehr, die für das Keratin benötigten schwefelhaltigen Aminosäuren Cystin und Methionin in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Darunter kann auch das Haarwachstum leiden.

Eine rötlich-violette, glatte, trockene Zunge („Lackzunge“, „Himbeerzunge“) weist auf eine fortgeschrittene Lebererkrankung hin. Die Glätte der Zunge entsteht durch ihre verdünnte (atrophische) Schleimhaut. Ähnliches gilt auch für lackrote, glatte Lippen („Lacklippen“).

Wassereinlagerungen in der Haut (Ödeme), vor allem der Beine, können durch eine mangelnde Eiweißbildung (vor allem von Albumin) in der Leber verursacht werden. Sie können aber auch auf Venen-, Herz- oder Nierenerkrankungen beruhen.

Durch Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum („Aszites“) kann sich der Bauch stark vorwölben. Die Wasseransammlung lässt sich bei der körperlichen Untersuchung durch einen veränderten Klopfschall und durch Auslösung einer charakteristischen Wellenbewegung an der Bauchoberfläche nachweisen. Die Ultraschall-Untersuchung liefert den endgültigen Nachweis und zeigt auch das Ausmaß. Aszites entsteht durch den erhöhten Druck in der Pfortader und den Eiweißmangel im Blut. Beides bewirkt, dass mehr Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in die freie Bauchhöhle austritt.

Durch erhöhten Druck in der Pfortader kann auch eine verstärkte Venenzeichnung auf dem Bauch entstehen. Dieser gut sichtbare Teil des Umgehungskreislaufes der Pfortader weist auf einen fortgeschrittenen Verlust an funktionstüchtigem Lebergewebe hin.

Die Störung der Hormonbildung bei fortgeschrittener Lebererkrankung führt auch zu äußerlich sichtbaren Zeichen: Beim Mann kann die Behaarung an Brust und Bauch zurückgehen (Bauchglatze), die Größe der Brust zunehmen (Gynäkomastie) und die Größe der Hoden abnehmen (Hodenatrophie). Bei Frauen kann die Achsel- und Schambehaarung verloren gehen. Die Brüste können kleiner werden.

Auch eine Neigung zur Entstehung von Blutergüssen bei geringfügigen Anlässen kann auf eine Lebererkrankung hinweisen, die bereits zu einer Gerinnungsstörung geführt hat.