Gewichtsabnahme bei Fettleber empfohlen
Eine aktuelle Veröffentlichung hat Studien, die in einem Zeitraum zwischen 1999 und 2009 publiziert wurden, zusammengefasst und ausgewertet, ob Ernährungsmaßnahmen bei der Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber den Schweregrad der Erkrankung verbessern können. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass ein klinisch bedeutender Gewichtsverlust die Fettleber und die Risikofaktoren für eine nicht-alkoholische Fettleber günstig beeinflussen. Es werden Beratungsmaßnahmen in 14-tägigem Abstand über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten empfohlen, um mindestens einen Gewichtsverlust von 5% zu erreichen.
(Quelle: Rossi M et al.: Diet prescription for non-alcoholic fatty liver disease: Is it worth the effort? A systematic review; Nutrition&Dietetics 2011;68:33-40)
05.07.2011
Ernährungsempfehlungen bei Patienten mit Leberzirrhose
Eine aktuelle Übersichtsarbeit gibt folgende Empfehlungen bei Patienten mit Leberzirrhose und hepatischer Enzephalopathie
- Energie: täglich 35-40 kcal pro kg Körpergewicht
- Eiweiß: täglich 1,2-1,5 g pro kg Körpergewicht; hiervon sollten 30 – 40 g aus pflanzlichen Quellen stammen und verzweigtkettige Aminosäuren sollten bevorzugt werden.
- Eine Nahrungsergänzung mit Multivitaminen, insbesondere mit Vitamin B1, Antioxidantien und Probiotika wird empfohlen
(Quelle: Bemeur C et al.: Role of Nutrition in the Management of Hepatic Encephalopathy in End-Stage Liver Failure; Journal of Nutrition and Metabolism 2010; Article ID 489823, 12 pages doi:10.1155/2010/489823)
09.06.2011
Probiotische Joghurts – gut bei Patienten mit chronischer Lebererkrankung
Es wurde untersucht, ob Patienten mit chronischer Lebererkrankung davon profitieren, wenn sie regelmäßig Joghurt essen, die probiotische Bakterien enthalten. Den Patienten wurde 14 Tage lang 3 Mal täglich 1 Becher Joghurt, bestehend aus Bacillus bifidus, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus bulgaricus, and Streptococcus thermophilus verabreicht. Am Ende des Versuchszeitraums konnte festgestellt werden, dass das Ungleichgewicht der Darmflora sich verbessert hatte und sich ein positiver therapeutischer Effekt bei den Patienten eingestellt hatte.
(Quelle: Liu JE et al.: Probiotic yogurt effects on intestinal flora of patients with chronic liver disease; Nurs Res 2010;59(6):426-32)
28.04.2011
Acetyliertes Carnitin – gut bei hepatischer Enzephalophathie
Eine aktuelle Studie untersucht die Gabe von acetyliertem L-Carnitin, einem besonders gut verfügbaren Carnitin bei hepatischer Enzephalopathie. Für L-Carnitin sind Eigenschaften als Fettsäuretransporter in die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, bekannt. Nun führte bei Patienten mit hepatischer Enzephalopathie die Gabe von acetyliertem L-Carnitin zu einer Abnahme der mentalen und körperlichen Müdigkeit und zu einem Anstieg der körperlichen Aktivität
(Malaguarnera M et al, Am J Clin Nutr 2011;93:799-808)
Dunkle Schokolade - günstig für Patienten mit Lebererkrankungen
Auf dem internationalen Leberkongress vom 14. – 18. April 2010 in Wien, organisiert von der European Association for the Study of the Liver (EASL), trafen sich über 7.500 Ärzte und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Es wurde eine Studie von spanischen Wissenschaftlern vorgestellt, die den Einfluss von dunkler Schokolade bei Patienten mit Leberzirrhose zum Gegenstand hatte. Die Forscher konnten einen signifikanten Einfluss von dunkler Schokolade auf den Blutfluss in der Leber feststellen. Der Blutdruck in der Leber stieg weniger stark an bei den Patienten, die dunkle Schokolade (85% Kakao) gegessen haben. Verantwortlich dafür scheinen die speziellen Flavonoide aus der dunklen Schokolade zu sein, die neben ihrer antioxidativen auch entspannende und gefäßerweiternde Eigenschaften zu haben scheinen.
Limonadengetränke – Stopp für Patienten mit nicht-alkoholbedingter Fettleber
Eine kürzlich erschienene Veröffentlichung zu Einflußfaktoren, die den Krankheitsverlauf bei nicht-alkoholbedingter Fettleber begünstigen, zeigt, dass die sogenannten Softgetränke (Limonaden- und Colagetränke) die Erkrankung ungünstig beeinflussen können. Denn diese Getränke haben einen hohen Gehalt an Fruchtzucker, der wiederum die Einlagerung von Fett in der Leber begünstigt. Leberpatienten sollten daher diese Getränke meiden bzw. nur in Ausnahmefällen in kleinen Mengen genießen.
(Nseir W et al. World J Gastroenterol 2010;16(21):2579-2588)
Wirkstoff der Mariendistel als Gegengift bei Paracetamolvergiftung
Wissenschaftler optimistisch nach dem Ergebnis einer experimentellen Studie
Eingesetzt wird das bekannte Schmerzmittel Paracetamol vor allem bei leichten bis mittelstarken Schmerzen und Fieber. In der Regel beträgt die Einzeldosierung 10-15 mg Paracetamol/kg Körpergewicht. Die Maximaldosis kann auf bis zu 50 mg/kg Körpergewicht pro 24 Stunden erhöht werden.
Auch wenn das Medikament rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist, sollte es ausnahmslos genau nach Vorschrift eingenommen werden. Denn eine Überdosis an Paracetamol stellt eine der häufigsten Fälle an Arzneimittelvergiftungen dar. Bei Erwachsenen wird ab einer Dosis von 150 mg Paracetamol/kg Körpergewicht eine Krankenhauseinweisung empfohlen. Da der Entgiftungsmechanismus des menschlichen Körpers überlastet wird, schädigt das giftige Abbauprodukt des Medikaments (chemisch: N-Acetylimidochinon) die Leberzellen. Nach 24 bis 72 Stunden kann es zu klinischem Leberversagen kommen. Als Gegengift wird bisher die Substanz N-Acetylcystein eingesetzt. Mit der Therapie sollte innerhalb von acht Stunden nach der Überdosierung, spätestens jedoch nach 24 Stunden begonnen werden. Wird das Gegengift verzögert verabreicht, nimmt das Risiko an dem durch die Paracetamol-Überdosis hervorgerufenem Leberversagen zu sterben, deutlich zu.

- Mariendistel (Copyright: Rottapharm|Madaus GmbH)
Aktuelle Daten einer Forschungsgruppe um Desmond Kwok-Po Hau (Hong Kong) öffnen nun eine neue, möglicherweise bessere Perspektive für die Behandlung einer Paracetamolvergiftung. Im Tierexperiment konnten die Wissenschaftler zeigen, dass mit Silymarin im Vergleich zu N-Acetylcystein eine bedeutend höhere Überlebensrate erreicht wurde. Beide Gegengifte wurden 24 Stunden nach dem Vergiftungsereignis eingesetzt. Bei dem Wirkstoff der Mariendistel handelt es sich um ein so genanntes Flavonoidgemisch mit der Hauptkomponente Silibinin. Im Zusammenhang mit Paracetamol wird Silymarin (z.B.Legalon® forte) in der Praxis bisher schon bei Patienten empfohlen, die das Schmerzmittel in hohen Dosen länger als 1 Jahr eingenommen haben oder die spezielle leberbezogene Risikofaktoren aufweisen. Die Wirkung der Substanz aus der Mariendistel beruht darauf, dass sie über eine für Leberzellen wesentliche Schutzfunktionen verfügt: Silymarin fängt freie Radikale ab, stabilisiert die Zellmembran und wirkt entzündungshemmend. Die Regeneration bereits geschädigter Leberzellen wird gefördert und die Neubildung angeregt. Die Wissenschaftler sind aufgrund der überlegenen Ergebnisse für Silymarin zuversichtlich. Sie gehen davon aus, dass der Wirkstoff zukünftig als Gegengift bei einer Paracetamol-Überdosierung eingesetzt werden könnte, wenn sich die anfängliche Behandlung verzögert. Hierzu sind jedoch noch weitere klinische Studien notwendig.
Quelle:
Desmond Kwok-Po Hauk et al. (2010): Novel Use of Silymarin as Delayed Therapy for Acetaminophen-Induced Acute Heptatic Injury; Forschende Komplementärmedizin, Ausgabe 4.
Deutsche Apotheker Zeitung, “Paracetamol: Ab wieviel Tabletten wird’s gefährlich?“, Ausgabe 44/2008.
Neuer Therapieansatz bei Hepatitis C:
Der Wirkstoff der Mariendistel bietet viel versprechende Behandlungsmöglichkeiten
Eine vielen unbekannte Tatsache: Weltweit sind mehr Menschen mit Hepatitis C (virale Leberentzündung) infiziert als mit HIV. Besonders kritisch bei einer chronischen Infektion mit Hepatitis C sind die Therapieversager (medizinisch: Non-Responder). Nur etwa bei der Hälfte der Patienten verläuft die Standardbehandlung (Kombinationstherapie mit pegyliertem alpha-Interferon und Ribavirin) erfolgreich. Um die Erkrankung zu stoppen, wird daher in vielen Forschungslabors nach einer Lösung gesucht, erläutert Jean-Michel Pawlotsky (Paris, Frankreich). Als viel versprechender Kandidat für die erfolgreiche Behandlung der Therapieversager hat sich Silibinin, der Hauptwirkstoff aus der Mariendistel, erwiesen.
Silibinin verfügt über wesentliche Schutzfunktionen für Leberzellen: Die Substanz fängt nicht nur die so genannten freien Radikale ab, sie beschleunigt auch die Regeneration bereits geschädigter Leberzellen und wirkt außerdem entzündungshemmend. Aufgrund ihrer spezifischen Wirkung werden Extrakte aus der Mariendistel (Silymarin) seit Jahrzehnten bei einem breiten Spektrum von Lebererkrankungen und -beschwerden erfolgreich eingesetzt. Laut neuen Studienergebnissen ist das Potential von Silibinin noch größer: Der Wirkstoff senkt bei hochdosierter intravenöser Anwendung deutlich die Menge der Hepatitis-C-Viren. An einer genauen Erklärung arbeiten Wissenschaftler noch: „Studien an Zellkulturen deuten darauf hin, dass die Wirkung zumindest teilweise auf die direkte Hemmung der für die Vermehrung der Viren verantwortlichen Enzyme zurückzuführen ist“, führt Pawlotsky weiter aus.
Silibinin-Infusionen senken deutlich die Menge an Hepatitis-C-Viren
Intravenös verabreichtes Silibinin senkt bei Patienten mit chronischer Hepatitis C deutlich die Viruslast, so lautet das Ergebnis einer von Peter Ferenci (Wien, Österreich) durchgeführten Studie. Behandelt wurden zwei verschiedene Patientengruppen. Eine Gruppe schloss Patienten ein, die nicht auf die Standardtherapie ansprach. Die zweite so genannte „Rettungs“-Gruppe bestand aus Patienten, bei denen die Standardtherapie nach einiger Zeit versagt hatte. „Den Patienten beider Gruppen versuchten wir mit hochdosierten Silibinin-Infusionen zu helfen“, erläuterte Ferenci. Das Ergebnis: Silibinin führte zu einem deutlichen Rückgang der Viruslast. In der Gruppe der Therapieversager sank die Viruslast am Ende der Silibinin-Therapie bei 97,7 Prozent der Patienten um mehr als ein Hundertstel des Ausgangswertes. Bei 36,4 Prozent fiel bereits in der 4. Woche der Virusnachweis negativ aus. In der „Rettungs“-Gruppe wurde bei 77 Prozent der Patienten unter Silibinin kein Virus mehr nachgewiesen.
Oral verabreichtes Silymarin zeigt Erfolge bei akuter Virushepatitis
S. S. El-Kamary (Baltimore, USA) führte eine Studie mit Patienten durch, die an akuter Virushepatitis erkrankt waren. Dabei spielte es keine Rolle, durch welchen Virustyp die Erkrankung ausgelöst wurde. Die Studie umfasste 105 Patienten, die auf zwei Gruppen verteilt wurden. Eine Gruppe nahm 3-mal täglich 140 mg Silymarin (Legalon® forte), die empfohlene Standarddosierung ein, die andere Gruppe erhielt ein Multivitaminpräparat.
Das Ergebnis spricht für Silymarin: Die Patienten profitierten deutlich von der Wirkung der Mariendistel: „Sie zeigten eine schnelle, deutliche Verbesserung subjektiver Symptome, wie zum Beispiel Müdigkeit oder Beschwerden im rechten Oberbauch. Außerdem verbesserten sich die durch Gallestauung hervorgerufenen Symptome. Hierzu gehören unter anderem dunkler Urin und Gelbsucht“, fasste El-Kamary zusammen. Trotz der relativ kleinen Patientenzahl und der Heterogenität der Lebererkrankungen konnte die Sicherheit und Wirksamkeit der Silymarin-Anwendung (3-mal täglich 140 mg Legalon® forte) belegt werden. Aktuell wird eine Folgestudie durchgeführt, um die Effektivität höherer oraler Silymarindosen bei akuter Virushepatitis zu testen.
Quelle: Satelliten-Symposium „New Perspective in the Clinical Use of Silymarin/Silibinin”;
45th Annual Meeting of the European Association for the Study of the Liver, 15. April 2010 in Wien.









